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Zweitschlüssel für Wohnung des Mieters – darf der Vermieter einen haben?

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Ein Interview mit Fachanwalt für Miet- und Wohnungseigentumsrecht Alexander Bredereck, Berlin und Essen, von Maximilian Renger, wissenschaftlicher Mitarbeiter.

Maximilian Renger:
Darf ein Vermieter einen Zweitschlüssel für die Wohnung des Mieters haben? Diese Frage stellen Mieter bei uns immer wieder – was gilt denn nun?

Fachanwalt Bredereck: Oftmals ist es ja relativ schwer, rechtliche Fragen ganz klar zu beantworten. Hier ist es aber eindeutig: Vermieter haben kein Recht auf einen Zweitschlüssel – auch nicht für besondere Notfälle. Eine Ausnahme besteht nur dann, wenn der Mieter damit einverstanden ist und mit dem Vermieter eine entsprechende Vereinbarung getroffen hat. Das würde ich allerdings beiden Parteien eher nicht empfehlen.

Maximilian Renger: Warum denn nicht?

Fachanwalt Bredereck: Damit verursacht man unter Umständen unangenehme Situationen. Der Vermieter kann auf einmal in Verdacht geraten, wenn in der Wohnung des Mieters etwas abhandenkommt. Sofern der Mieter mit dem Vermieter also eine Vereinbarung über die Überlassung eines Zweitschlüssels für Notfälle treffen, sollte der Schlüssel in einem verschlossenen bzw. versiegelten Umschlag übergeben werden. Damit kann der Vermieter dann einen entsprechenden Verdacht ausräumen. Er darf dann aber auch wirklich nur in Notfällen von dem Schlüssel Gebrauch machen. Ich würde aber Mietern ohnehin dazu raten, einen Verwandten oder Bekannten damit beauftragen, bei ihnen vorbeizuschauen, wenn sie mal länger nicht zuhause sind.

Maximilian Renger: Besteht denn überhaupt eine Pflicht von Mietern, jemanden während der Urlaubszeit damit zu beauftragen, nach der Wohnung zu sehen?

Fachanwalt Bredereck: Ja, denn als Mieter treffen eine gewisse Obhutspflichten. Dazu gehört, in besonderen Notfällen, in denen der Vermieter ein Zutrittsrecht zur Wohnung hat, ihm den Zugang auch ermöglichen zu können. Wenn man dann im Urlaub ist und niemandem einen Zweitschlüssel überlassen hat, kann der Vermieter unter Umständen eine Abmahnung, im Extremfall vielleicht sogar eine Kündigung aussprechen. Zumindest aber zwingt man den Vermieter dann, bei einem Rohrbruch, Brand oder ähnlichem in die Wohnung einzubrechen und das will man ja in der Regel auch lieber vermeiden.

Maximilian Renger: Das stimmt wohl. Vielen Dank für das Interview.

6.10.2016

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